Vom Messeauftritt zum Masterplan

In die Zukunft denken ist erlaubt, auch wenn vieles noch unmöglich erscheint

Jede Entwicklung beginnt mit einer Idee. Und mit Leuten, die diese Idee auf Praktikabilität untersuchen, bei gefundener Tauglichkeit einen Plan aufstellen und diesen in die Tat umsetzen.

Noch warnt das auswärtige Amt vor Reisen nach Afghanistan. Auf der anderen Seite beeindruckt Afghanistan durch reizvolle Landschaften, eine reiche Vergangenheit und gastfreundliche Menschen. So wundert es nicht, dass der Tourismus in den 70er Jahren bereits ein Wirtschaftsfaktor war. Durch den Krieg kam dieser dann völlig zum Erliegen. Offensichtlich wird es ein langer Weg, bis Afghanistan wieder bereist werden kann. Doch es wurde als lohnend angesehen, die Idee weiter zu verfolgen.

Im nächsten Schritt ging es darum, Meinungen und Eindrücke von möglichen Kunden einzuholen. Was lag da näher als Afghanistan auf der CMT Stuttgart (Caravan Motor und Touristik) zu präsentieren. Es war der O-Ton zu hören, den wir brauchten: Von der totalen Ablehnung über ein vorsichtiges Interesse bis hin zu Begeisterung. Hunderte von Menschen beantworteten bereitwillig einen ausführlichen Fragebogen, der inzwischen in einen Ergebnisbericht gemündet ist.

Es gab viel mehr Menschen, die bereits einmal in Afghanistan gewesen waren, als wir es geglaubt hatten. Und sie gaben uns die entscheidenden Tipps. Afghanistan ist im Bereich des "Destination-Hopping" in der Seidenstraßenregion Mittelasien bislang eine Lücke, von deren Schließung sich auch die Nachbarstaaten einen Vorteil erhoffen.

Die Ergebnisse und Eindrücke wurden dann im Ministry of Tourism in Afghanistan präsentiert. Der zuständige Vize-Minister Prof. Stanzkai zeigte sich sehr zufrieden. Es wurde vereinbart, gemeinsam einen Masterplan Tourismus für Afghanistan zu erstellen und Afghanistan gemeinsam auf der ITB (Internationale Tourismusbörse) in Berlin vorzustellen. Die Messe-Ergebnisse wurden durch die AISA (Afghan Investor Support Agency) auf der in London stattfindenden Geberkonferenz präsentiert.

Von einer mittelfristigen Entwicklung im Tourismus profitieren auch andere Felder. Zwar kommt der Wiederaufbau des Landes mit Hilfe der Geberländer voran, doch fehlen Verdienstmöglichkeiten. Drogenanbau und mangelnde Sicherheit schließen so den Teufelskreis, denn Investoren halten sich zurück. Das wirtschaftliche Potenzial des Tourismus kann Einkommensalternativen zum Drogenanbau bieten, wenn entsprechende Konzepte sicherstellen, dass breitere Bevölkerungsschichten profitieren, insbesondere in den touristischen Zielgebieten. In Anbetracht der Sicherheitsprobleme als No-Go-Kriterium müssen Sicherheitskonzepte den Tourismus frühzeitig lenken um Risiken zu minimieren. Es sind zielgruppengerechte Angebote und eine Postitionierung des afghanischen Tourismus in der Region zu entwickeln. Ein Masterplan muss alle Konzepte einbinden und Rahmenbedingungen schaffen, die es ermöglichen, dass der Tourismus seine Eigendynamik zur Entwicklung entfalten kann.

Gelingt es aus dem Teufelskreis Sicherheitsdefizit- keine Investion – Armut – Sicherheitsdefizit mit dem Tourismus einen Ausweg zu weisen, profitieren alle Bereiche der Wirtschaft und Gesellschaft. Der Tourismus ist ein Wirtschaftszweig, der mit geeigneten Konzepten schnell Einkommensmöglichkeiten unabhängig von der Hilfe des Auslands schafft. Kunsthandwerk und Nachfrage nach Dienstleistungen sichern Stabilität. Ein Plus an Sicherheit führt zu einer Verstärkung des Tourismus. Das gesamte Investitionsklima hellt sich auf. Die Signalwirkung des Tourismus als Anzeiger von Frieden und Stabilität wirkt sowohl im In- wie im Ausland positiv verstärkend.

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